Gedenktage, Feiertage oder Aktionstage aller Art kennt der Kalender beinahe täglich. Sie erinnern, Jahr für Jahr, an wichtige historische, politische oder religiöse Ereignisse. Sie halten weltpolitische oder gesellschaftliche Daten fest. Oder es wird namhafter Persönlichkeiten gedacht. Wie viel offizielles Gedenken
– neben dem privaten – verkraftet das kollektive Gedächtnis, frage ich mich manchmal. Was überfordert? Und was hilft? Und was zählt überhaupt?

In unseren Breitengraden werden natürlich im privaten, aber auch im öffentlichen Rahmen Geburtstage gefeiert. Für Christen, die den Heiligenkalender kennen, sind auch Namenstage von Bedeutung. Manche feiern anstelle des Geburtstages nur ihren Namenstag, weil sie in der Taufe von ihren Eltern oder Verwandten ihren ganz bestimmten Namen erhalten haben.

Wie ist das nun mit dem Tauftag? Kennen Sie ihn? Auch ich musste einmal auf dem Taufschein nachschauen, ohne dass der Tag deswegen zu einem bewussten Feiertag wurde: Drei Tage nach meiner Geburt wurde ich im Entbindungsheim in Lustenau, unweit von Bregenz, getauft: am 7. Oktober 1962. Damals ging das, anders als heute, ruck, zuck! Der Kaplan von seinerzeit wurde später Pfarrer, inzwischen ist er verstorben.

Wiederholt hat Papst Franziskus bei Generalaudienzen oder beim Angelusgebet am Sonntag Gläubige ganz direkt gefragt, ob sie ihren Tauftag kennen: „Kennt ihr das Datum eurer Taufe?“ Falls nicht, solle man jemanden fragen, der dabei war. Schließlich sei die Taufe nicht ein Ereignis der Vergangenheit, sondern sie wirke ein Leben lang. „Semel semper“ – einmal für immer, heißt es. Es sei gut, so Franziskus, sich wieder und wieder daran zu erinnern, dass Gott jedem Menschen in der Taufe seinen Heiligen Geist zugesagt habe.

Manchmal verteilt der Papst, wenn er vom Redemanuskript abweicht und ins Sinnieren gerät, auch „Hausaufgaben“: Wer sein Taufdatum nicht kenne, solle seine Mutter, seine Paten, Onkel, Tanten, Neffen oder Nichten fragen: „Habt ihr die Hausaufgabe gut verstanden? Wir alle müssen unseren Tauftag kennen. Er ist ein zweiter Geburtstag: der Geburtstag der Wiedergeburt. Vergesst bitte nicht, das zu tun.“

Theoretisch wissen wir alle, dass die Taufe das wichtigste, grundlegende Sakrament ist. Zum praktischen Vollzug – die Taufe umzusetzen, ihr Gestalt zu geben (wenn wir schon bei der Taufe Säuglinge waren und nicht gefragt wurden) – gehört das Bewusstsein, mit welchem Tag in meinem Leben dieses „neue“ Leben begonnen hat. Also: Meinen Tauftag in Ehren halten! Und dann mit meinem Verhalten, mit meinen Reaktionen im Alltag deutlich machen: Es gibt nicht nur die übliche Hackordnung. Es geht auch anders! Anders denken, anders handeln, anders leben – das hat mit der Taufe zu tun.

Dieser Text wurde am 13. Januar 2019 in der Rubrik „Glaube im Alltag“ der Münchner Kirchenzeitung veröffentlicht.

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