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An diesem Samstag, vor vierhundert Jahren: Am 12. März 1622 wurde Ignatius von Loyola zusammen mit einem zweiten Jesuiten, Franz Xaver, sowie mit Teresa von Ávila, Philipp Neri und Isidor von Madrid heiliggesprochen. Von Papst Gregor XV.

In der Jesuitenkirche »Il Gesù« in Rom wird Papst Franziskus, der erste zum Bischof von Rom gewählte Jesuit der Kirchengeschichte, um 17 Uhr einen Gottesdienst mit seinen Mitbrüdern feiern. Er wird per Livestream übertragen. Seine Predigt zum Nachlesen: hier.

In St. Michael in München (1597 eingeweiht) wurden zwei Jahre nach der Heiligsprechung 1624 am Chorbogen zwei Marmoraltäre errichtet, zu Ehren der beiden Ordensheiligen: links Ignatius, rechts Franz Xaver. Alessandro Scalzi aus Padua (Paduano genannt), ein Schwager von Friedrich Sustris, einem der Architekten von St. Michael (der auch am Ausbau des Antiquariums und des Grottenhofs der Münchner Residenz beteiligt war), malte das Ignatius-, Johann Ulrich Loth das Franz Xaver-Gemälde. Während der Fastenzeit sind diese Altarbilder verhüllt. Man muss also seine innere Phantasie bemühen – oder in einen Kirchenführer hineinschauen.

Ignatius und Franz Xaver: Gefährten der ersten Stunde – und Freunde 

Elf lange Jahre studierte Francisco Xavier (1506–1552) aus Navarra in Paris an der Sorbonne: »Er war sympathisch und jovial, ein Mann umwerfender Vitalität, bester Weitspringer bei den athletischen Spielen, die in den Wiesen der Ile de la Cité veranstaltet wurden«, schreibt Ignacio Tellechea. Wie Pierre Favre und Juan de la Peña Zimmergenosse von Iñigo de Loyola im Collège Sainte-Barbe, umwarb ihn Iñigo heftig. Er half ihm bei chronischem Geldmangel aus, aber ihn für die gemeinsame Sache zu gewinnen, das war Schwerstarbeit. Es heißt, Ignatius habe gegenüber Mitbürgern später gesagt, Franz Xaver sei »der zäheste Teig« (nach anderen Übersetzungen »das härteste Holz«) gewesen, den er je geknetet bzw. bearbeitet habe.

Am 15. August 1534 aber war Francisco neben Iñigo einer von sieben Gefährten, die auf dem Montmartre Gelübde ablegten. Sechs weitere Jahre sollten vergehen, bis die Gesellschaft Jesu am 27. September 1540 von Papst Paul III. bestätigt wurde. 1537 zum Priester geweiht, wurde Franz Xaver 1545 in die Mission geschickt: Er wirkte in Indien, im heutigen Indonesien, in Japan und wollte nach China. In Sichtweite des chinesischen Festlandes starb er erschöpft mit 46 Jahren auf der Insel Sancian. Ein schwerer Schicksalsschlag für Ignatius von Loyola, der erst zwei Jahre später davon erfuhr und ihm weiter Briefe schrieb. Die beiden hatten sich seit 1545 nie mehr wiedergesehen.

Ignatius und Philipp Neri

Unter den Heiliggesprochenen des 13. März 1622 ist auch Philipp Neri. Ihn hätte Ignatius gern im Orden gehabt. Bei Hugo Rahner SJ lese ich (in einem Artikel aus dem Jahr 1956): »Sie sind sich in Rom begegnet, wohl sicher schon in jenem schrecklichen Hungerwinter 1538/39, als die Gefährten die Ignatius die Siechen und Armen im Frangipani-Haus zusammentrugen und sie dann auf die Spitäler der Stadt verteilten. (…) Durch alle römischen Jahre des Ignatius (1537–1556) bleibt Filippo, der den gleichen römischen Boden durch sechzig Jahre (1534–1595) seiner seelsorglichen Arbeit gesegnet hat, mit dem spanischen Magister bei der Kirche Santa Maria della Straka in ehrfürchtiger Liebe verbunden und hat oft bekannt, er habe eigentlich erst bei Ignatius das ›innerliche Beten‹ kennengelernt und habe auf seinem Antlitz ein heimliches Leuchten gesehen; ja er meinte später, kein Gemälde könne diesen Glanz wiedergeben.« (Hugo Rahner, Ignatius von Loyola und Filippo Neri, in: ders., Ignatius von Loyola als Mensch und Theologe. Freiburg i. Br. 1964, S. 121–141, 122).

Wenn Papst Franziskus mit den Jesuiten am 12. März 2022 Gottesdienst feiert, kann er am prunkvollen Grabaltar des Ignatius ein Bronzebild sehen, auf dem Ignatius Filippo begrüßt. Vor dem Sterbezimmer des Ignatius »hängt ein Gemälde, das die beiden Heroen der römischen Reform brüderlich vereint abbildet« (Hugo Rahner, ebd. 141).

Aktiv und kontemplativ

Neulich, im Kunsthistorischen Museum in Wien (Saal XIV, Inventarnummer GG 517), habe ich das bekannte Bild von Peter Paul Rubens aus der Jesuitenkirche von Antwerpen besichtigt: »Wunder des Hl. Ignatius von Loyola«. In Antwerpen hing es, abwechselnd mit den Wundern des Hl. Franz Xaver, im Hochaltar. 1776 kam es nach Wien.

Dass unter den neuen Heiligen vom 12. März 1622 auch die spanische Ordensreformerin und Mystikerin Teresa von Ávila (1515–1582) ist, erinnert mich an das wichtigste Anliegen der Gesellschaft Jesu: Menschen zu helfen, ein »contemplativus« oder eine »contemplativa« »in actione« zu sein. Alles Andere ist – sekundär. Die »Frommen von morgen« (Karl Rahner SJ) werden die Botschaft Jesu von Nazareth – die größer und großartiger ist als die jeweilige Sozialgestalt von Kirche (ob nun im 16. Jahrhundert oder im 21. Jahrhundert) – weiter erzählen und verkündigen.

Und wie tröstlich: Neben der »societas minima«, der immer kleiner werdenden Gesellschaft Jesu von 14.439 Jesuiten (Stand 01.01.2022) weltweit, gibt es die andere Gesellschaft Jesu – die Gemeinschaft aller Getauften, die sich nach wie vor auf den Weg Jesu einlassen und sein Leben mit ihrem Leben als Christen fortsetzen und weiterschreiben.

2022-03-13T16:39:23+01:0010. März 2022|
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