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Hat es das gebraucht? Es sind zwölf Zeilen Unsinn – und es ist nicht einmal klar, wer für die »Erklärung des Heiligen Stuhls«, die gestern out of the blue auf Italienisch und Deutsch veröffentlicht wurde, zuständig ist, wer sie geschrieben oder in Auftrag gegeben hat. »Vatikan kanzelt deutschen Reformprozess ab«, lautete eine Schlagzeile, die ich gut nachvollziehen kann. Ob Papst Franziskus, der am Sonntag nach Kanada aufbricht, den Sturm der Entrüstung mitbekommt? Ob er sie versteht? Ich zweifle daran.

Synodale Kirche geht anders

Die beiden Präsidenten des Synodalen Weges, Bischof Georg Bätzing, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, und Irma Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), zeigten sich »verwundert« und »irritiert« über diese Weise der Kommunikation des Vatikans: »Es zeugt von keinem guten Stil der Kommunikation innerhalb der Kirche, wenn nicht namentlich gezeichnete Erklärungen veröffentlicht werden.«

Das Narrativ hat sich längst festgesetzt, im Vatikan und andernorts: Die deutsche Kirche auf dem Weg zu einer zweiten Reformation, sie riskiert ein Schisma. Dass es keinen deutschen Alleingänge und Sonderwege geben kann, dass nicht hier entschieden wird, ob der Zölibat verpflichtend bleibt, ob Frauen zu Diakoninnen oder Priesterinnen geweiht werden können, ob es zu einer Gewaltenteilung kommt, die die bischöflichen Vollmachten einschränkt, weiß doch jedes Kind. Aber dass über diese Anliegen gesprochen werden muss, liegt auf der Hand – und es muss wieder und wieder an den Anlass für den Synodalen Weg erinnert werden: die mit dem sexuellen Missbrauch verbundenen systemischen Ursachen, denen nachgegangen werden muss.

Egal was ihr beschliesst . . .

Unter dem Titel »Nicht noch eine Reformation« kommentiert Annette Zoch in der SZ von heute: »Mit Wucht hat der Vatikan dem deutschen Synodalen Weg ein Stoppschild in den Weg gestellt. Während katholische Laien und Kleriker bereits die nächste Synodalversammlung Anfang September vorbereiten, sagt der Heilige Stuhl: Egal, was ihr beschließt, ihr seid dazu nicht befugt. Und fügt gnädig hinzu: Wenn ihr mögt, dürft ihr all das viele Papier in unsere große Weltsynode einspeisen. Und dann? Mal schauen.« Ich kann meine Enttäuschung und meinen Ärger nicht verbergen und will sie auch nicht unterdrücken. Prominentere Stimmen sehen das ähnlich. Synodale Kirche geht anders! Eine »Ermutigung« (Roland Jochem, kathpress-Korrespondent) kann ich darin wirklich nicht erkennen.

Die Erklärung des Hl. Stuhls im Wortlaut.

Statement der beiden Präsidenten des Synodalen Weges im Wortlaut.

2022-07-22T11:03:06+02:0022. Juli 2022|
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