Kardinal László Német SVD, Erzbischof von Belgrad, übte sich kurz vor dem Jahreswechsel als Prophet: Leo XIV., der sich wie Leo XIII. (1878–1903) besonders als Sozialpapst profilieren möchte, werde »die Wölfe jagen«.

Der italienische Journalist und Vatikankenner Marco Politi hatte 2014 das Buch »Francesco tra i lupi– Il segreto di und rivoluzione« veröffentlicht, um den Widerstand gegen den Bergoglio-Papst innerhalb wie außerhalb der Kirche zu charakterisieren. Die deutsche Übersetzung trug den Titel »Franziskus unter Wölfen – Der Papst und seine Feinde« (Freiburg: Herder 2015).

Német, der 1977 Steyler Missionar (Gesellschaft des göttlichen Wortes: SVD) wurde und von 1994 bis 2000 an der ordenseigenen Hochschule in Mödling bei Wien Dogmatik dozierte, meinte in einem Interview: »Bisher hatten wir (Papst) Franziskus, der mit den Wölfen sprach. Nun haben wir einen Löwen, der die Wölfe jagen wird.« Offen blieb, was genau er damit meinte, einmal abgesehen von der wörtlichen Übersetzung von Leo: Löwe. Dass ein Papst auf Widerstand stößt, innerhalb wie außerhalb der Kirche, wenn er nämlich konkret wird und sich nicht in salbungsvollen Worten ergeht, liegt auf der Hand.

Da und dort hat Leo XIV. bereits Zähne gezeigt, wenn auch maßvoll und nicht auf jene impulsive Weise, die für seinen Vorgänger Franziskus typisch war. Mit seinem Apostolischen Schreiben »Dilexi te« über die Liebe zu den Armen knüpfte er an dessen Kapitalismuskritiker an.

Direkte Worte, wohltemperiert: »Wenn Masken und Heimlichtuereien abfallen«

Seine Weihnachtsansprache an die Kurie (22.12.2025) war wohltemperiert. Leo fand aber auch deutliche Worte, als er über wahre und falsche Freunde räsonierte und machte auf ein Dauerproblem der Kurie aufmerksam:

»Wir sind, auch und vor allem hier in der Kurie, dazu gerufen, Baumeister der Gemeinschaft Christi zu sein, die danach verlangt, in einer synodalen Kirche Gestalt anzunehmen, in der alle an derselben Mission zusammenarbeiten und mitwirken, jeder entsprechend seinem Charisma und der ihm übertragenen Aufgabe. Dies lässt sich jedoch weniger mit Worten und Dokumenten als vielmehr durch konkrete Gesten und Haltungen erreichen, die sich in unserem Alltag, auch im Arbeitsumfeld, manifestieren müssen. Ich möchte gerne daran erinnern, was der heilige Augustinus in seinem Brief an Proba schrieb: ›So ist in allen menschlichen Dingen dem Menschen nichts freundlich ohne einen Freund.‹ Mit einem Hauch von Bitterkeit fragte er sich jedoch: ›Aber wie selten wird ein Freund gefunden, über dessen Gesinnung und Charakter in diesem Leben volle Gewissheit besteht!‹ (Brief an Proba, 130, 2.4).

Diese Bitterkeit macht sich manchmal auch unter uns breit, wenn wir, vielleicht nach vielen Jahren im Dienst der Kurie, mit Enttäuschung feststellen, dass sich einige Dynamiken, die mit der Ausübung von Macht, dem Streben nach Vorrang und der Pflege eigener Interessen zusammenhängen, nur schwer ändern lassen. Und man fragt sich: Können wir in der Römischen Kurie Freunde sein? Können wir freundschaftliche, geschwisterliche Beziehungen pflegen? Es ist schön, wenn es bei all den täglichen Anstrengungen Freunde gibt, denen wir vertrauen können, wenn Masken und Heimlichtuereien abfallen, wenn Menschen nicht ausgenutzt und übergangen werden, wenn man sich gegenseitig hilft, wenn man den Wert und die Kompetenz jedes Einzelnen anerkennt und so Unzufriedenheit und Groll vermeidet. Es gibt eine persönliche Umkehr, die wir anstreben und verfolgen müssen, damit in unseren Beziehungen die Liebe Christi durchkommen kann, die uns zu Brüdern und Schwestern macht.«

Das war auch ein Plädoyer für Fairness im Umgang miteinander und eine Kultur der Achtsamkeit und Wertschätzung.