Am 7. Januar 2026 hat nachmittags das zweitägige Konsistorium begonnen. Papst und Kardinäle unterscheiden gemeinsamen und beraten. Vier Themen stehen auf der Tagesordnung zur Auswahl. Am späten Abend hat der Newsletter von Vatican News ein Video mit ersten Eindrücken veröffentlicht. Die Ansprache von Papst Leo XIV. kann man  im Wortlaut nachlesen. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen der beiden Sessionen der Weltsynode im Oktober 2023 und 2024 signalisierte er: Ich will zuhören. Das ist die Praxis  gelebter Kollegialität.

Wie viele der insgesamt 245 Kardinäle (davon 122 unter 80, also berechtigt, an einem Konklave teilzunehmen) dabei sind, geht aus den Meldungen nicht hervor.

In Anwesenheit des Papstes beraten die Kardinäle unter Ausschluss der Öffentlichkeit an den bekannten Runden Tischen in der Aula Paolo VI über das Apostolische Schreiben Evangelii gaudium (von 2013) und den missionarische Charakter der Kirche, die Apostolische Konstitution Praedicate Evangelium (2022) und die daraus hervorgehende Rolle der Kurie im Verhältnis zu den Ortskirchen sowie über Synodalität und Liturgie.

Am 8. Januar wird der Papst mit den Kardinälen eine Messe am Kathedra-Altar des Petersdoms feiern. Von 9:30 bis 12:45 Uhr folgt die Vormittagssitzung, zu der sich die Kardinäle wieder in der Synodenaula versammeln. Schließlich treffen sich Papst und Kardinäle am Nachmittag von 15:15 bis 19 Uhr zur abschließenden Sitzung der zweitägigen Zusammenkunft.

Strategische Schwerpunkte werden erkennbar: Mission, Kurie und Synodalität. Brisant: Fragen der Liturgie.

(Ergänzt am 08.01., morgens:)

In seiner Eröffnungsrede spricht Leo von 20 Gruppen, er werde aber nur neun Gruppen aus den Ortskirchen um Rückmeldungen bitten, da er mit den anderen Gruppen in der Kurie einfacher zusammenkommen könne. »Unser anderthalbtägiges Zusammensein wird eine Vorwegnahme unseres zukünftigen Weges sein. Wir müssen nicht zu einem Text gelangen, sondern ein Gespräch führen, das mir in meinem Dienst für die Mission der gesamten Kirche hilft.«

(Ergänzt am 08.01., abends:)

Mittlerweile hat der Vatikan bzw. Matteo Bruni (Sala Stampa) bekannt gegeben, dass 170 (von 245 Kardinälen) am ersten Außerordentlichen Konsistorium im Pontifikat Leos XIV. teilnehmen. Über die vier zur Auswahl stehenden, zu beratenden Themen ließ der Papst abstimmen. Die Kardinäle haben zwei ausgewählt: »Die Mission der Kirche in der Welt von heute« sowie »Synode und Synodalität Instrument und Stil der Zusammenarbeit«. Die beiden anderen Themen wurden offenbar fallen gelassen, darunter das »heiße Eisen« Litugrie bzw. Alter Ritus.

Gestern hat Leo XIV. den 93-jährigen chinesischen Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, den ehemaligen Bischof von Hong Kong, in Privataudienz empfangen, der als reformkritisch und als Befürworter der Alten Messe gilt. Der Salesianerkardinal hat stets den Kurs von Papst Franziskus und Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin gegenüber der Regierung in Peking scharf kritisiert.

Heute sollten diese beiden Schwerpunkte mit Blick auf die nächsten ein bis zwei Jahre besprochen werden. Die über 80-jährigen, nicht mehr konklaveberechtigten Kardinäle saßen mit Kurienkardinälen (die der Papst häufig sieht) an elf Tischen, die Kardinäle der Weltkirche unter 80 an neun anderen Tischen.

Leo XIV. forderte die Kardinäle zur Einheit und Zusammenarbeit auf und bat sie, ihn bei der Leitung der Kirche zu unterstützen. Er sieht das Kardinalskollegium vorrangig als geistliche Gemeinschaft. Es sei »in erster Linie nicht dazu berufen, ein Expertenteam zu sein, sondern eine Glaubensgemeinschaft«.

Erkennbar ist: Leo XIV. will die Kirche als Teamplayer führen, mit seinem »Senat« und nicht an ihm vorbei. Wertschätzung zu zeigen ist ihm wichtig. Dass er »kritische Geister«, die Franziskus das Leben schwer machten, einbinden und Spannungen abbauen will, ist offensichtlich. Polarisierungen gibt es aber. Ob die päpstliche Appeasement-Politik gelingt, wird sich zeigen.

Offen bleibt weiterhin, wie Partizipation und Mitsprache von Gläubigen im Sinn des synodalen Prozesses vereinbar sind mit der bischöflichen Leitungsgewalt bzw. gestaltet werden können.