Zeichnet sich ein neuer Leitungsstil in der Kirche ab? Das erste Außerordentliche Konsistorium im Pontifikat Leos XIV. (7./8. Januar 2026) zeigte jedenfalls, dass der neue Papst als Teamplayer auftreten will, der nicht nur mit der Römischen Kurie, sondern auch mit den Kardinälen der Weltkirche zusammenarbeiten will. Zuhören, gemeinsam unterscheiden, beraten: ein neuer Stil? Leo baut jedenfalls auf seinen »Senat«.
Etwa 170 Kardinäle waren nach Angaben des Vatikans der Anfang November 2025 verschickten Einladung gefolgt. Zum Abschluss der Beratungen des Kardinalskollegiums schwärmte der Erzbischof von Bogota, Kardinal Luis José Rueda Aparicio, das Konsistorium sei eine »wunderbare Erfahrung der Brüderlichkeit« gewesen. Kardinal Stephen Brislin (Johannesburg) meinte, das Treffen habe den bleibenden Wert des ersten programmatischen Apostolischen Schreibens »Evangelii gaudium« (November 2013) von Papst Franziskus bewusst gemacht. Es hat aus meiner Sicht prophetischen Charakter für die Kirche des 21. Jahrhunderts. Und der philippinischer Kardinal Pablo Virgilio Siongco David, Bischof von Kalookan, lobte Leos Fähigkeit zum Zuhören.
Papst Leo XIV. hat die Themen einer missionarischen Kirche im Aufbruch und Synodalität von seinem Vorgänger übernommen. Wie sich Mitsprache konkret auswirkt – zumal der weltweite synodale Prozess noch von Papst Franziskus bis 2028 verlängert und von Leo bestätigt wurde –, muss sich erst zeigen. Es stehen auch altersbedingte Personalentscheidungen in der Kurie an. Mit einigen Bischofsernennungen zeigte der neue Papst bereits, dass eine »Generation Leo« im Entstehen ist.
Ohne Franziskus kein Leo: Der verstorbene Papst hätte 2023 eine Rochade im Vatikan vornehmen können. Aber er holte Bischof Robert Francis Prevost von der Peripherie in den Vatikan. Als Chef des Dikasteriums für die Bischöfe lernte der bald zum Kardinal ernannte Amerikaner mit peruanischer Staatsbürgerschaft die Kurie von innen kennen. Das kommt ihm jetzt zugute.
Da capo: Ende Juni 2026, vermutlich am 27./28., im Vorfeld des Festes Peter und Paul, soll es wieder ein Konsistorium geben. Möglicherweise werden dann auch neue Kardinäle kreiert.