Er sprach mir aus der Seele! In der jüngsten Ausgabe der Freiburger Kirchenzeitung »Konradsblatt« (3/2026) macht Michael Winter auf einen Umstand aufmerksam, der mir schon länger aufstösst: »Lob für Papst Leo XIV. verbindet sich allzu oft mit Kritik an Franziskus«.

Hier der impulsive, oft unberechenbare Franziskus, da der ruhig, zurückhaltende Charmeur Leo: Auf diese simple Formel bringen unsinnige Vergleiche die beiden Päpste, die sich nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten. Winter im O-Ton:

»Die wohlwollende Bewertung der Person Leos und der ersten Monate seines Pontifikats gehen immer wieder mit einer nachträglichen Kritik an Franziskus einher oder umgekehrt mit einer positiven Absetzung Leos von seinem Vorgänger – nach dem Motto: Anders als bei Franziskus weiss man bei Leo, woran man ist. Nach dem unberechenbaren, allzu emotionalen Führungsstil des argentinischen Pontifex überzeugt der neue Papst mit einer ruhigen Hand, Klarheit und Gelassenheit. Das ist zu kurz gesprungen. Nicht nur deshalb, weil kein Papst bei Amtsantritt seine Herkunft und Mentalität, seine kirchlichen und familiären Prägungen und seine Stärken und Schwächen einfach ablegen kann. Darüber hinaus aber verkennt dieses Urteil die Tatsache, dass die Grundlinien des Pontifikats von Franziskus auch im Nachhinein als ziemlich konstant erscheinen: sein Einsatz für die Armen, sein Plädoyer für die Barmherzigkeit als zentrale Grundhaltung der Gläubigen, sein Engagement für eine ökologisch und sozial ausgerichtete Wirtschaft, die Stärkung der Synodalität in der Kirche und nicht zuletzt: seine vehement vorgetragene Forderung nach einem missionarischen Neuaufbruch gerade in den „alten“ Kirchen Europas. Bei den Kardinälen scheint all dies präsenter zu sein als bei so manchen Beobachtern von außen.«

Man kann es nicht oft genug sagen: Papst Franziskus hätte, als Kardinal Marc Quellet als Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe rücktrittsreif war, eine Rochade vornehmen und jemanden aus der Römischen Kurie als Nachfolger installieren können.

Aber er holte einen Bischof von der Peripherie – und er wusste, warum er im Januar 2023 Robert Francis Prevost OSA aus Chiclayo auswählte, der damit auch Präsident der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika wurde. Im April 2023 war Dienstantritt, im September 2023 die Kardinalserhebung, Anfang Februar wurde Kardinaldiakon Prevost zum Kardinalbischof befördert. Drei Monate später gab es ein Konklave.

Ohne Franziskus kein Leo!