Es waren eben nicht nur dem Augenblick geschuldete nette Worte vor einem Jahr, als er sich am 8. Mai 2025 auf der Benediktionsloggia als neuer Bischof von Rom vorstellte: »Wir wollen eine synodale Kirche sein, eine Kirche unterwegs«.
Der Papst hört zu und tauscht sich aus: neues Format, neuer Stil
Im Januar 2026 gab es erstmals ein zweitägiges Konsistorium, heute, am 26. Juni, hat das zweite Konsistorium begonnen, das bis 27. Juni andauert: Beratungen des Papstes mit dem Kardinalskollegium, auch mit den über 80-jährigen, nicht mehr konklaveberechtigten Kardinälen. Im Januar hatte Leo XIV. unter vier Themen zwei auswählen lassen. Diesmal gab er die Themen für vier Arbeitseinheiten vor: »In welcher Welt sind wir berufen, das Evangelium zu verkünden?«, »Die Kultur der Macht und die Zivilisation der Liebe« auf der Grundlage seiner Enzyklika »Magnifica humanitas« sowie »Das Gute aufbauen: die Baustellen unserer Zeit«. In der letzten Sitzung geht es um den Stand der Umsetzung der Weltsynode.
Freier Austausch zwischen den Mitgliedern des Kardinalskollegiums und dem Papst, eine Redezeitbeschränkung auf drei Minuten: Das ist der Plan. Und wie schon beim ersten Konsistorium sind die Kardinäle an den Runden Tischen eingeteilt: Neun Gruppen von wahlberechtigten Kardinälen, die Ortsbischöfe sind oder waren – einschließlich der Apostolischen Nuntien. Dann elf Gruppen von Kardinälen der Kurie sowie den nicht wahlberechtigten Kardinälen. Auch der Wiener Alterzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, nimmt an den Beratungen teil.
Auch wir lernen . . .
In seiner Eröffnungsrede sagte der Papst u.a.: »Im Konsistorium vom vergangenen Januar hatte ich einen einfachen Wunsch geäußert: dass diese Begegnungen uns helfen mögen, immer mehr zu lernen, ›gemeinsam im Dienst der Kirche arbeiten zu können‹ und ›ein Gespräch [zu] führen, das mir in meinem Dienst für die Mission der gesamten Kirche hilft‹. Das waren nicht bloß einleitende Worte. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass dies eine der wichtigsten Aufgaben ist, die dem Kardinalskollegium anvertraut sind. Auch wir lernen, wie die gesamte Kirche, indem wir einen Weg gehen. Gemeinschaft ist niemals ein Ergebnis, das man ein für alle Mal erreicht: Sie bleibt tägliche Verwandlung, die im Gebet und in konkreten Haltungen, in vertrauensvollen Beziehungen und in der Bereitschaft, einander zuzuhören, Gestalt annimmt.«
Er skizzierte dann, was in den einzelnen Arbeitssitzungen ansteht. Zur letzten, der Frage der Umsetzung der Weltsynode, meinte er: »Diese letzte Sitzung behandelt kein neues Thema, sondern sammelt und verknüpft das miteinander, was wir in den vorausgehenden Sitzungen besprochen haben werden. Angesichts der Wunden dieser Welt, des Aufbaus des Gemeinwohls und der Sendung der Kirche weist die Synodalität einen Weg: zuzuhören, zu unterscheiden und gemeinsam die Verantwortung für die Entscheidungen zu übernehmen, die uns der Herr anvertraut. Die Synodalität ist nicht in erster Linie eine Reihe von Verfahren; wie ich bereits mehrfach gesagt habe, ist die Synodalität eine Haltung, eine Offenheit, eine Bereitschaft zum Verstehen. Manchmal ist sie als Schwächung der Autorität interpretiert worden. In Wirklichkeit hilft sie uns jedoch, die Bedeutung der Autorität selbst tiefer zu verstehen, die dazu da ist, die Gemeinschaft zu bewahren, die Teilhabe aller zu fördern und den gemeinsamen Weg der Kirche zu leiten.«
Hätte ein Pius IX. oder ein Pius XII. seinerzeit darauf Wert gelegt und darum gebeten: »Helft mir, auf das zu hören, was in den Kirchen aufkommt, die Zeichen der Hoffnung zu erkennen, die oft in der Stille wachsen, aber auch die Mühen, Missverständnisse und Widerstände nicht zu übersehen, die den Weg verlangsamen können. Ich brauche eure Freiheit, eure offenen Worte und eure Loyalität. Ein aufrichtiger Rat ist stets ein Akt der Gemeinschaft.«? Wohl kaum.
Synodalität einüben
Papst Leo XIV. erweist sich als Teamplayer. Und als Realist: »Ich weiß sehr wohl, dass dies für viele von uns nicht die gewohnte Art und Weise ist, ein Konsistorium abzuhalten. Doch auch dies ist Teil des Weges, auf dem der Herr uns führt. Natürlich wird es auch Raum für persönliche Wortmeldungen geben, und wie immer kann mir jeder in aller Freiheit vertrauliche Anmerkungen oder Überlegungen zukommen lassen. Ich bitte euch allerdings, euch vertrauensvoll auf diese kirchliche Übung einzulassen. Auch wir lernen die Synodalität, indem wir sie praktizieren; wir lernen gemeinsam, in der Gemeinschaft zu wachsen. Ich danke euch schon jetzt für eure Bereitschaft, für eure innere Freiheit und für eure Liebe zur Kirche.«
Am 29. Juni wird der Papst in einem Gottesdienst den im vergangenen Jahr neu ernannten Erzbischöfen das Pallium überreichen, darunter Josef Grünwidl (Wien), Stanislav Přibyl (Prag), Ronald Hicks (New York) und Kardinal Konrad Krajewski (Łódź) – eine »Generation Leo« formiert sich.
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