Mit Stichtag 31.12.2025 sank die Zahl der wahlberechtigten Kardinäle auf 124. Schon einen Tag später, am 1. Januar 2026, wird ein weiterer Kardinal 80, einer von sieben im Kalenderjahr 2026: der emeritierte Erzbischof von Nairobi, Kardinal John Njue, der im Mai 2025 krankheitsbedingt schon nicht mehr zum Konklave angereist war.
Sechs wahlberechtigte Kardinäle weniger 2026
Bald darauf, am 5. Januar, vollendet Kardinal Mario Zenari, der Apostolische Nuntius in Syrien, sein 80. Lebensjahr. Ende desselben Monats ist das bei Christophe Pierre der Fall, dem Apostolischen Nuntius in den USA.
Zum 1. Februar wird es also nur mehr 121 Kardinäle geben, die berechtigt sind, an einem Konklave teilzunehmen. Bis Juli 2026 folgen vier weitere Kardinäle, die die Altersgrenze erreichen: Fernando Filoni (15. April), Juan José Omella Omella (21. April), Francesco Montenegro (22. Mai) und Michael Czerny SJ (18. Juli). Das wahlberechtigte Kollegium umfasst dann 117 Kardinäle. Unabsehbar: Ein wahlberechtigter Kardinal kann sterben oder aus irgendeinem Grund sein Wahlrecht verlieren oder darauf verzichten.
Bis heute ungeklärt: der Status von Kardinal Giovanni Angelo Becciu, Sarde des Jahrgangs 1948. Nach seiner Absetzung durch Papst Franziskus besaß er kein Wahlrecht mehr, wurde aber in der Liste der Kardinäle geführt. Das führte im Vorkonklave zu Unsicherheiten. Er verzichtete im Mai 2025 freiwillig an seiner Teilnahme, obwohl er seiner Meinung nach dazu berechtigt gewesen wäre.
Ein neues Konsistorium im Jahr 2026 ist wahrscheinlich
Es dauert dann bis 16. Januar 2027, bis der nächste Kardinal sein 80. Lebensjahr vollendet: Thomas Collins, der emeritierte Erzbischof von Toronto (Kanada). Ihm folgen bis 31. Dezember 2027 zwölf weitere Kardinäle, der letzte von ihnen exakt am 31. Dezember 2027, nämlich Gerhard Ludwig Müller. Zum 1. Januar 2028 wären es dann nur mehr 104 wahlberechtigte Kardinäle.
Dass es 2026 ein Konsistorium gibt, bei dem Papst Leo XIV. erstmals neue Purpurträger kreiert, ist ebenso naheliegend wie wahrscheinlich: entweder im Frühjahr (22. Februar: Kathedra Petri), im Frühsommer (29. Juni: Peter und Paul) oder im November. Wien, Prag und Irland waren bereits im letzten Konklave ohne eigenen Wahlmann. Traditionelle »Anwärter« auf den »roten Hut« gingen unter Papst Franziskus jahrelang leer aus: in Venedig, Mailand, Los Angeles, San Francisco, Philadelphia, um nur einige zu nennen. Ob der neue Papst zur früheren Praxis zurückkehrt, ist zur Stunde offen.
Zunächst wird es am 7./8. Januar 2026 ein Außerordentliches Konsistorium geben, für welches alle Kardinäle, auch die über 80-jährigen, eingeladen sind, um mit dem Papst über wichtige Fragen zu beraten.
Politische Zeichen oder: »Generation Leo«
Mit bestimmten Ernennungen setzt ein Papst auch Zeichen: nicht nur bei den Kandidaten, die über 80 Jahre alt sind – indem ihr Lebenswerk oder besondere Verdienste mit der Erhebung in den Kardinalsstand gewürdigt werden. Franziskus hat oft Bischöfe von der Peripherie zu Kardinälen gemacht, wo es bis dahin noch nie einen Purpurträger gab, etwa in der Mongolei, um nur ein Beispiel aus mehreren herauszugreifen. Unüblich war auch, dass ein Nuntius (Syrien, USA) in den Kardinalsstand erhoben wird.
Der Bischof von Rom ist völlig frei, was Ernennungen betrifft. Deswegen spricht man auch von einer Kreierung. Kardinäle sind »Kreationen« des Papstes, der sich dabei an keine Tradition oder Gewohnheit halten muss, sondern durchaus neue Traditionen schaffen kann. Klar ist aber auch, dass er gewisse Rücksichten nimmt – die in seinem persönlichen Ermessen liegen. Aber nicht nur.
Rein statistisch gesehen soll das Kardinalskollegium die Weltkirche abbilden, die eben nicht mehr eine europäische Kirche in aller Welt ist: Deswegen erscheint eine Dominanz italienischer und europäischer Kardinäle, die in früheren Zeiten über die Hälfte bis zwei Drittel aller Kardinäle stellten, endgültig überholt. Sie war, mindestens seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965), auf dem die römisch-katholischen Kirche erstmals als Weltkirche sichtbar wurde, ohnehin längst anachronistisch.
Mit Blick auf Bischofsernennungen in den letzten Monaten (z.B. Sankt Gallen/Schweiz, Wien, Krakau, Mainz, New York, Corpus Christi/Texas, Palm Beach/Florida, Phoenix/Arizona) war bereits von einer »Generation Leo« die Rede. Der neue Papst setzt Akzente. Und damit auch Zeichen.