Ich kann die Aufregung – hierzulande – verstehen: Rudert der Papst zurück? Zeigt er sein wahres Gesicht? Natürlich könnte man sagen: Warum musste eine Journalistin aus Deutschland Leo XIV. auf dem Rückweg von seiner Afrikareise im Flugzeug nach Rom auch auf die Segnung gleichgeschlechtlich Lebender und Liebender ansprechen? Andererseits: Das Dokument »Fiducia supplicans« vom Dezember 2023 gilt. Es ist nicht außer Kraft gesetzt. Und es zeigt sich: Nach wie vor wird es kontroversiell gesehen. Es wurde und wird willkommen geheißen. Es wurde und wird abgelehnt.

Wenn ich Papst wäre, hätte ich gesagt: Ich kenne die Position von Kardinal Reinhard Marx. Ich kenne die Position anderer Bischöfe, die seine Meinung teilen und seine Praxis befürworten: niemanden zurückzuweisen, der um einen Segen bittet. Ich kenne aber auch andere Positionen und weiß, dass die Bischöfe und Kardinäle das Dokument unterschiedlich bewerten. Und dann würde ich sagen: Beide Positionen haben ihre Berechtigung, es gibt unterschiedliche Wahrnehmungen und Bewertungen. Beide Positonen haben meinen Segen.

Aber ich bin nicht der Papst . . .